Max war da

Was lange währt, wurde tatsächlich gut: Max war da. Keine 80 Millionen, aber doch 3.500 bis 4.000 aus „Birke“ und Umgebung ebenfalls.

Davon abgesehen, dass – Corona-bedingt – der Veranstaltungstermin zweimal verschoben wurde, ließ er lang auf sich warten. Erst ca. 21:15 Uhr war es soweit, dass ein lauter Knall und herabregnenden Luftschlangen signalisieren: Jetzt geht's los.

Ausgehend von den Ankündigungen bei birkenwerder.de wäre das ein kurzes Konzert geworden – dort stand „18:00 - 22:00 Uhr“. Der Einlass öffnete kurz vor 18 Uhr – es zeichnete sich bereits ab: es wird später. Für manche zu spät: In der ursprünglichen Ankündigung (für 2020…) war der Eintritt für Kinder unter 10 Jahren frei. Das galt weiterhin, die „freier Eintritt-Grenze“ blieb bei 10 Jahren – 10, 11 und 12-jährige wurden „zweimal von Corona gekniffen“.

Angeschoben wurde der Abend von Brunke, der als „One-Man-Show“ zeigte, welche Möglichkeiten moderne Studiotechnik jungen Musikern mit Musikalität und Beherrschung von Instumenten, Stimme und Technik bietet. In ein paar Jahren könnten ihn seine Qualitäten als sympatischer „Publikumsanheizer“ selbst zum Headliner von Festivals machen.

Ihm folgte „der einzige im Hoodie bei 30°“, wie er selbst bemerkte. Die Zahl der Musiker auf der Bühne wuchs mit Alexander Knappe auf drei, subjektiv sank die von seinem Vorgänger geschaffene Stimmung im Publikum. Könnte an einigen Sprüchen gelegen haben, mit denen er seine Titel anmoderierte. Wenn bei seinen Konzerten »jetzt typischerweise die Schlüpfer auf die Bühne fliegen«: Hier war er „Vorgruppe“, es waren viele Kinder im Publikum, hat er das nötig? Er macht doch ansprechende Musik…

Anschließend zog sich der Bühnenumbau in die Länge, eventuell sollten mehrere kurze Unterbrechungen das Publikum vorspannen, damit der Beginn mit den Luftschlangen-Kanonen eine maximale Wirkung entfalten konnte. Hat geklappt: Das Publikum hatte Max Giesinger mit seiner Band nach den ersten Akkorden in der Tasche.

Seine „Karaoke“-Coversongs von „Time of My Life“ und „Sonne“ waren zwar ein netter Gag, doch gleichzeitig eine unnötige „Länge“ in seinem Programm: Mit eigenen Titeln konnte er und seine vorzügliche Band das Publikum deutlich mehr begeistern. Er überraschte mit einem frühen Wechsel auf eine „Kleinbühne“ in der Mitte des Platzes. Etwas, das Bands wie die Rolling Stones vor Jahrzehnten etablierten, wenn es um die Zugabe ging. Gleichzeitig wurde die Bühne auf „kleines Besteck“ umgerüstet, womit ein heimeliger Rahmen entstand, der gleichzeitig fragende Blicke auslöste, ob „22 Uhr“ womöglich weiterhin galt.

Doch das war lediglich ein Intermezzo; danach drehte die Band wieder auf, um den Abend auf der Kleinbühne mit Wechsel zur Großbühne abzuschließen. Das war ein sehr gelungener Konzertabend, wenngleich es sicher mit ein paar Dezibel weniger ebenso schön, nur weniger schmerzhaft für die Ohren gewesen wäre. Die technisch hervorragende Ausstattung der Veranstaltung hätte das nuancierte Spiel aller Künstler mit etwas geringerem Pegel womöglich besser zur Geltung gebracht.

Persönlich habe ich mit „Tempo-Ohrenstöpseln“ die erforderliche Sound-Anpassung selbst vorgenommen. Trotz der Lautstärke geschuldetem Abstand von der Bühne pfeifen meine Ohren; der einzige Missklang der Veranstaltung.

Hoffentlich gelingt der Gemeinde eine Etablierung des „Sommerfestivals“ in Birkenwerder als festen Termin im Kalender. Überlegungen dazu gibt es wohl – zumindest ließ Bürgermeister Zimniok das in seiner Begrüßung anklingen.

Mit Giesinger, Knappe und Brunke wurde die Messlatte hoch gelegt. Es wäre schade, wenn das zu übersteigerten Erwartungen an den Nachfolger führt und die Umsetzbarkeit unmöglich oder die Eintrittspreise für einige unerschwinglich machen würde.